Snoezelen
Basale Kommunikation bezieht sich auf die elementaren menschlichen Eigenschaften der Kommunikation,Bewegung und Wahrnehmung. ,,Snoozelen bezieht sich auf diese Eigenschaften des Menschen."
Der Begriff Snoezelen ist eine Kombination aus ,,snuffelen", das heißt soviel wie schnuppern oder schnüffeln, und ,,doezelen", dies wiederum bedeutet soviel wie dösen oder schlummern. Man kann somit Snoezelen mit etwas entspannendem oder ruhigem in Verbindung bringen. Man könnte auch sagen es heißt sich einfach wohl fühlen. An dieser Stelle möchte ich auch noch eine Definition von R. ZIMMER nennen, da ich sie als ziemlich treffend erachte: ,,Snoezelen ist die primäre Aktivierung schwer geistig behinderter Menschen, vor allem auf sinnliche Wahrnehmung und sinnliche Erfahrungen gerichtet, mit Hilfe von Licht, Geräuschen, Gefühlen, Gerüchen und dem Geschmacksinn. Snoezelen ist das Schaffen authentischer Erlebnismöglichkeiten von der Umwelt für die, die anders sind."
Das Wort Snoezelen stammt aus den holländischen, wo auch die Entstehungsgeschichte beginnt.
1. Die Entstehung dieser Therapieform
Das Snoezelen ist Ende der 70 - er Jahre in einer niederländischen Einrichtung für behinderte Menschen entstanden.
Nach vielen unterschiedlichen
Auffassungen und Meinungen verschiedener Leute setzte sich schliesslich
das Konzept von Jan HULSEGGE und Ad VERHEUL durch.
Sie kann man quasi als die
Begründer oder Vorreiter des Snoezelens betrachten.
Die Einrichtung ,,De Hartenberg"
in Ede in den Niederlanden ist das bekannteste Snoezelzentrum. Hier wurden
die Ideen und Auffassungen von Snoezelen von HULSEGGE und VERHEUL praktisch
umgesetzt.
2. Das Konzept
Das Snoezelen soll für die behinderten und entwicklungsverzögerten Kinder ein Angebot darstellen, dass auf sie beruhigend und entspannend wirkt.
Die Grundannahme für das Snoezelkonzept war die Annahme, dass unsere Welt auf behinderte und entwicklungsverzögerte Kinder ganz komplex einwirkt und sie nicht in der Lage sind diese Reize differenziert zu betrachten bzw. auf Situationen angemessen zu reagieren. Auf diese Art und Weise können sie sich nicht adäquat in einer ihnen fremden Umwelt zurechtfinden.
Von dieser Grundannahme ausgehend
sollen den behinderten Kindern in den Snoezelräumen die Reize selektiv
angeboten werden. Die Reize sollen also in der Tiefe angesprochen werden.
Gleichzeitig wird versucht, unnötige Reize von den Kindern fernzuhalten,
damit sie sich nur auf den einen Reiz konzentrieren können. (z.B.
das Riechen, das Hören o. Fühlen usw.)
Den behinderten Kindern
soll dabei eine so angenehme Atmosphäre geschaffen werden, dass es
für sie eine lustvolle Sinneswahrnehmung wird. (gedämpftes Licht,
ruhige Musik usw.) So können sie elementare Empfindungen und Wahrnehmungen
mit Freude und ohne Streß erfahren.
Auf diesem Weg macht das
behinderte und entwicklungsverzögerte Kind Erfahrungen die es in der
realen Umwelt nicht machen kann, da in der Realität immer gebündelte
Reizinformationen an es herangetragen werden und somit eher eine Reizüberflutung
statt findet.
Ein weiterer Grundsatz von Snoezelen ist: ,,Nichts muß gemacht werden, alles ist erlaubt." Hinter diesem Grundsatz verbirgt sich die Idee, das das behinderte, entwicklungsverzögerte Kind hier völlig seinen Bedürfnissen nachgehen kann und unter keinerlei Zwängen steht. Der Betreuer, der immer mit zum Snoezelen geht hat hier die Aufgabe nur unterstützend zu wirken. Ein wichtiger Aspekt in diesem Konzept ist die Freiheit des Einzelnen, insofern, dass das behinderte, entwicklungsverzögerte Kind selbst auswählen kann welche Reize es verspüren möchte oder mit welchen Materialien es sich beschäftigen möchte.
3. Snoezelen als Therapieform
3.1 Mit welchen Materialien
wird gearbeitet?
Beim Snoezelen wird eine
Vielzahl von Materialien angeboten, aus denen sich der Behinderte selbst
wählen kann mit was er sich beschäftigen möchte.
Da hier die verschiedenen
Sinne angesprochen werden sollen, ist die Palette der verwendeten Materialien
eigentlich unerschöpflich. Sie reicht von technischen Geräten
bis zu einfachsten Gegenständen. Ich möchte nun eine kleine Auswahl
davon nennen:
· Farbige Lichtprojektoren
· Wasserbett (meist
mit eingebauten Lautsprechern)
· Bällchenbad
/ Blubbersäulen
· Verschiedenste
Tastobjekte oder Tastwände
· Angebote zur Klang-
und Geräuscherfahrung
· Vibrationsboden
etc.pp
3.2. Snoezelenraum
Beim Snoezelen ist eine angenehme
Raumathmosphäre die Geborgenheit vermittelt und eine positive emotionale
Zuwendung seitens des Betreuers das Wichtigste.
Weiße Wände,
weißer Boden sind am besten geeignet, damit die einzelnen Lichtobjekte
oder Beschäftigungsmaterialien möglichst ohne zusätzliche
Reize eingesetzt werden können. Es bietet sich ruhige entspannende
Hintergrundmusik an, um das Geborgenheitsgefühl zu vertiefen.
Wichtig ist hierbei auch,
dass das Kind am besten völlig ungestört mit seinem Betreuer
sein kann, dass es keine Ablenkung erfährt durch Umweltgeräusche
und sich somit intensiv mit dem beschäftigen kann was es will.
3.3 Aufgabe der Betreuer
Die primäre Aufgabe
ist es dem behinderten, entwicklungsverzögerten Kind das Snoezelen
so angenehm wie möglich zu machen und keinerlei Anforderungen an es
zu stellen. Sie übernehmen höchstens die Assistenzrolle und sind
dem Kind behilflich wenn es z.B. in einen anderen Raum will oder sich mit
etwas beschäftigen möchte was für es unerreichbar erscheint.
Körperkontakt zu dem Kind wird auch nur ausgeübt, wenn es dies
möchte.
3.4 Ziele des Snoozelen als Therapieform:
Anspruch: intensive Förderung von behinderten mit psycho-motorischen Entwicklungsrückständen und sensorisch-emotionalen Deprivationen (Bernd Vogel/Anfang der achziger Jahre)
Abbau von fixierten Verhaltensmustern wie Fremd- und Autoagressionen, stereotypen Schaukelbewegungen, autistische Verhaltensmerkmale. Es wird Interesse an der Umwelt geweckt und Körperfunktionen vitalisiert.
Beruhigend und stoch stimmulierende Wirkung, die sich besonders gut bei hyperaktiven Kindern bewährt hat.
Hier werden elementare Sinneseindrücke wie riechen, tasten, sehen, hören, schmecken und fühlen isoliert angeboten, so daß es zu keiner Reizüberflutung kommt, wie teilweise in der realen Welt, und man sich mit dem einzelnen Input beschäftigen kann.
Ein weiters Ziel stellt auch die Erhöhung der Ausdauer und Aktivität dar, den das Kind kann selbstbestimmt wählen mit welchen Materialien er sich beschäftigen will. Dies hat zur Folge, dass das Kind möglichst eigenständig Entscheidungen trifft, so dass auch ein Stück Selbstbestimmung und Selbständigkeit trainiert wird.
Auch kann die Beziehung zwischen
dem Betreuer/Bezugsperson und dem Kind enger bzw. vertrauensvollerwerden,
da sich beide in einer angenehmen Situation begegnen und so besser aufeinander
einstellen können bzw. sich neben dem doch häufig stressigen
Alltag in einer ganz neuen entspannten Situation erfahren können.
Literatur zu diesem Thema:
Andreas Fröhlich: ,,Basale Stimulation" Verlag Selbstbestimmtes Leben, Düsseldorf 1991
S. und H. Fikar, Klaus Eckart Thumm (Hrsg.) ,,Körperarbeit mit Behinderten" Verlag Konrad Wittwer, 1992
Kauschus - Nazario C.: "Snoezelen mit allen Sinnen erleben lernen" in Zeitschrift ,,Geistige Behinderung", 1989, Bd. 28 Heft 3, S.209.
Andreas Fröhlich: ,,Pädagogik bei schwerster Behinderung"-Handbuch der Sonderpädagogik Verlag Spiess, Berlin 1991