Was ist Musiktherapie
Musiktherapie ist der gezielte Einsatz von Musik im Rahmen der therapeutischen Beziehung zur Wiederherstellung, Erhaltung und Förderung seelischer, körperlicher und geistiger Gesundheit.

Oder anders ausgedrückt: Musiktherapie ist eine praxisorientierte Wissenschaftsdisziplin, die in enger Wechselwirkung zu verschiedenen Wissenschaftsbereichen steht, insbesondere der Medizin, den Gesellschaftswissenschaften, der Psychologie, der Musikwissenschaft und der Pädagogik.
Der Begriff „Musiktherapie“ ist eine summarische Bezeichnung für unterschiedliche musiktherapeutische Konzeptionen, die ihrem Wesen nach als psychotherapeutische zu charakterisieren sind, in Abgrenzung zu pharmakologischer und physikalischer Therapie.
Musiktherapeutische Methoden folgen gleichberechtigt tiefenpsychologischen, verhaltenstherapeutisch-lerntheoretischen, systemischen, anthroposophischen und ganzheitlich-humanistischen Ansätzen.

Seit der prähistorischen Zeit war Musik in einem ganzheitlichen Zusammenhang von Behandlung, Ritual und gesellschaftlichem Leben eingebettet. Ihre Heilkraft wird durch das bewusste Hören von Musik und aktivem Musizieren in allen Kulturen beschrieben.

Musiktherapie als eigenständiges Berufsbild entstand in diesem Jahrhundert Ende der fünfziger Jahre. Dabei kam, als wichtiges Element zur Musik, das Gespräch bzw. die Reflexion über die Gefühle hinzu, die die Musik auslöst. Damit wurde einerseits die Qualität der Beziehung zwischen Therapeut und Patient wichtig und andererseits die Besonderheit und Kraft des Mediums Musik genutzt.
Heutzutage ist die therapeutische Anwendung von Musik als klinische Behandlungsmethode erprobt und etabliert. Private und staatliche Ausbildungsinstitutionen befähigen zur Ausübung des Berufes.
Musiktherapeutinnen und Musiktherapeuten arbeiten in stationären und ambulanten Einrichtungen der medizinischen und psychosozialen Versorgung und in freier Praxis.
Darunter sind u.a. gemeint:
Psychiatrische Kliniken
Psychosomatische und psychotherapeutische Kliniken
Kliniken der Organmedizin (z.B. Onkologie, Neurologie)
Senioreneinrichtungen
Sonderpädagogische Einrichtungen Heilpädagogische Einrichtungen
Zentren für Prävention und Selbsterfahrung.

Musiktherapie für Kinder
Musiktherapie mit Kindern

Eine musiktherapeutische Behandlung ist für die Therapie von Kindern besonders geeignet, aufgrund der vielseitigen Möglichkeiten von Musikinstrumenten. Das Instrumentarium lädt nicht nur zum Spielen ein, es ermöglicht einen nonverbalen Ausdruck von psychischen Befindlichkeiten und deren Bearbeitung im Spiel mit der Therapeutin. Indikationen zur Musiktherapie können sein: Geistige, körperliche oder Mehrfachbehinderung, Entwicklungsstörungen, Sprachstörungen (Sprachanbahnung), Sinnesstörungen, psychische und psychosomatische Erkrankungen, Kontakt- und Beziehungsstörungen, Autismus, Verhaltensauffälligkeiten, Begleitung in Krisensituationen, Zustand nach sexuellem Mißbrauch oder körperlicher Mißhandlung. Die musiktherapeutische Behandlung der Kinder kann entwicklungs- bzw. lerntheoretisch oder tiefenpsychologisch orientiert sein. Die Entscheidung für einen methodischen Ansatz ist abhängig von der im Vordergrund stehenden Problematik.

Beispiel: Konzentrationsstörungen sind häufig behandlungsbedürftig. Treten diese im Zusammenhang mit einer geistigen Behinderung auf, so kann die Konzentrationsfähigkeit sehr gut auf der Grundlage einer entwicklungsorientierten Musiktherapie behandelt werden. Einfache musikalische Spielformen, wie Trommeln zu einem Lied, werden immer wieder leicht verändert (lauter, leiser, langsamer, schneller, Veränderungen des Textes oder der Melodie, Wechsel von Instrumenten etc.), um so die Aufmerksamkeitsspanne immer mehr zu verlängern. Die neu entwickelten Fähigkeiten werden in unterschiedlichen musiktherapeutischen Situationen ausgebaut und können so auch in den Alltag übertragen werden.

Eine tiefenpsychologisch orientierte Behandlung von Konzentrationsstörungen kann dann indiziert sein, wenn diese im Zusammenhang mit psychischen Konfliktsituationen auftreten (z.B. Trennung/Scheidung der Eltern). In diesem Fall dient das Spielen auf und mit den Instrumenten dem Ausdruck und der Bearbeitung der psychischen Befindlichkeit und Emotionen. So können Emotionen wie Schuldgefühle, Angst, Wut oder Trauer in der schützenden therapeutischen Beziehung erlebt und ihre Bedeutung erfahren werden. Je weniger ein Kind seinen Gefühlen ausgeliefert ist, um so direkter kann es auf emotionale Spannungen reagieren. Soweit die Konzentrationsstörungen auf den psychischen Konflikt zurückzuführen sind, wird eine Abnahme zu beobachten sein.
(Quelle: Gesellschaft für Musiktherapie, Berlin)

Musiktherapie für sehbehinderte und blinde Kinder
Im Rahmen der Frühförderung des Blindeninstitutes Würzburg findet 1x pro Monat eine Musiktherapie Stunde in Würzburg statt.
Sie gestaltet sich folgendermaßen:
Die Kinder und ihre Betreuungspersonen sitzen oder liegen auf Decken auf dem beschallbaren Schwingfußboden. Der Raum ist mit Lichtobjekten ausgestatt wie z.B. Sternenhimmel, Lichsäulen etc. und wirkt durch die abgedunkelte Atmoshäre sehr gemütlich. Der Moderator versucht nun durch die Musik die im Raum herschende Stimmung zu unterstützen, aufzugreifen.
Diese Form von Musiktherapie ist  für Personen, die selbst nur eingeschränkt agieren können besonders geeignet und wirkt anregend und doch zugleich entspannend.

Der Musiktherapeut arbeitet einzel- und gruppentherapeutisch mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen der Blindeninstitutsstiftung Würzburg und unterstützt damit den Prozess ihrer Persönlichkeitsentwicklung.
Markus Rummel entwickelte dazu spezielle Medien, die Vibration und Schwingungsübertragung in der musiktherapeutischen Arbeit nutzen. Der eigens dafür angefertigte, beschallbare Schwingboden eröffnet individuelle Möglichkeiten des Zugangs über verschiedene Wahrnehmungsformen auch zu schwerstbehinderten Menschen. Nach diesem Prinzip arbeiten auch die transportable musiktherapeutische Klangkiste und der Klangstuhl.
(Quelle: Blindeninstitut Würzburg)

zurück zu entwicklungsf. Therapien


zur Hauptauswahl