Können Kinder, Jugendliche oder Erwachsene mit Epilepsierisiko geimpft werden?

Zu dieser Fragestellung äußert sich Barbara Lillge vom Landesverband Bayern e.V. in dem Faltblatt "Impfen bei Epilepsie?" folgendermaßen:
"Viele Eltern lassen ihre Kinder aus Angst vor Impfschäden nicht mehr impfen, die sogenannte Impfmüdigkeit
hat sich weit verbreitet. Das hat zu der fatalen Folge geführt, dass sich viele Infektionskrankheiten wieder ausbreiten und nicht nur die Gesundheit, sondern manchmal sogar das Leben der Erkrankten bedrohen."

In den letzten Jahrzehnten ist die Rate an schwerwiegenden Impfkomplikationen wie Krampfanfällen oder anderen neurologischen Störungen stetig gesunken. Zu verdanken ist dies der fortdauernden Verbesserung in der Zusammensetzung der Impfstoffe. Die früher vo allem bei der Keuchhusten-Impfung noch angebrachte Vorsicht ist heute - auch bei Menschen mit Epilepsie - glücklicherweise nicht mehr nötig.

Darüber hinaus gibt es gewichtige Gründe dafür, dass gerade Menschen mit Epilepsie und insbesondere an Epilepsie leidende Kinder einen ausreichenden Impfschutz erhalten. So können beispielsweise Infektionskrankheiten wie Masern und Keuchhusten zu einer vorübergehenden oder dauernden Verschlechterung des Anfallsleidens führen.
Ärzte und Angehörige berichten, dass Infektionskrankheiten bei Kindern mit Epilepsie schwerer verlaufen können als bei gesunden Kindern. Dagegen gibt es keine Anhaltspunkte dafür, dass Schutzimpfungen bei anfallskranken Menschen häufiger zu Komplikationen führen als bei Menschen ohne Anfälle. Da die Verletzungsgefahr bei Menschen mit Epilepsie in der Regel besonders hoch ist (etwa durch Sturzanfälle oder häufige Grand-mal-anfälle), ist ein ausreichender Tetanusschutz unbedingt nötig!
Menschen mit Epilepsie sollten daher grundsätzlich den gleichen Impfschutz erhalten wie Menschen ohne Epilepsie.(Quelle: Dr. med. Lotte Habermann-Horstmeier, Saarbrücken)

Im Nachschlagwerk "Anfälle im Kindesalter - Antworten auf Elternfragen" äußert sich der Autor Helmut Volkers folgendermaßen:
Kinder mit Epilepsien benötigen den gleichen Impfschutz wie andere Kinder. Besonders wichtig sind auch die Impfungen gegen Kinderlähmung, Masern und Mumps, da diese Krankheiten Nerven- und Hirnschäden hinterlassen können.
Eine Impfung gegen Keuchhusten erfolgt heute nur noch mit dem sogenannten "azullären" Impfstoff, mit dem die früher gefürchteten Nebenwirkungen kaum noch zu erwarten sind. Bei einer zerebralen Anfallsbereitschaft wird ihr Arzt die Impfnotwendigkeit besonders abwägen, etwa auch die Ansteckungsgefahr im Säuglingsalter.

In Zeiten gehäufter Anfälle und während der Änderung einer medikamentösen Einstellung sollte möglichst nicht geimpft werden. Von Spritzimpfungen gegen "Reisekrankheiten" Typhus, Gelbfieber und Cholera wird bei Anfallskindern abgeraten.

Im Nachschlagwerk "Epilepsie: Antworten auf die häufigsten Fragen" von TRIAS ärztlicher Rat, schreibt Dr. Med. Günter Krämer folgendes:
Bei Impfungen ist zu berücksichtigen, welchem Zweck sie dienen sollen. Zum einen sollen Häufungen (Epidemien) von schweren Viruserkrankungen verhindert werden, für die es keine Therapie gibt (Pocken und Kinderlähmung oder Poliomyelitis), zum anderen können Impfungen den einzelnen Menschen vor schweren, nicht behandelbaren Erkrankungen schützen, ohne dass diese jedoch epidemisch auftreten. Hierzu gehören Wundstarrkrampf, Röteln, Tollwut, Hepatitis B und Gelbfieber.

Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer Epilepsie sollten grundsätzlich den gleichen Impfschutz wie Menschen ohne Epilepsie erhalten. Bei Kindern sind dabei besonders die Impfungen gegen Kinderlähmung, Keuchhusten, Masern und Mumps von Bedeutung, weil diese Krankheiten häufiger zu Hirnschädigungen einschließlich einer Epilepsie führen. Allerdings ist dabei das Risiko einer sogenannten Impfenzephlitis oder Impfschädigung des Gehirns zu bedenken, das ebenfalls mit einer Epilepsie einhergehen kann.

Auch bei Kindern mit Fieberkrämpfen in der Vorgeschichte sind spätere Schutzimpfungen in der Regel problemlos möglich. Da bei manchen Impfungen (besonders gegen Keuchhusten, die meist gleichzeitig mit einer Impfung gegen Diphterie und Tetanus durchgeführt wurden) Fieber auftreten kann, sollten die Eltern mit dem behandelnden Kinderarzt über die Frage einer Fieberprophylaxe sprechen. Durch eine gleichzeitige oder vorausgehende Gabe von Paracetamol kann die Gefahr eines impfbedingten Fieberanstieges deutlich vermindert werden.

Auch Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit einer aktiven Epilepsie können gegen die meisten Krankheiten problemlos geimpft werden, ohne dass im Vergleich zu Menschen ohne Epilepsie mit einer höheren Rate schwerwiegender Nebenwirkungen gerechnet werden muss. Auch hier kann gegebenenfalls eine Gabe Fieber senkender Medikamente gegeben werden.

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