Gebärden erleichtern das Verstehen

Neue Perspektiven für die Kommunikation behinderter Menschen

Wer kennt es nicht, ein kleines Kind z.B. mit Down-Syndrom, quicklebendig und "fit wie ein Turnschuh", nimmt zu uns Kontakt auf. Wir nehmen fröhliches Kinder-Kauderwelsch wahr, wir spüren, das Kind hat vieles im Kopf - nur: Mit dem Sprechvermögen hapert es noch. Wir rätseln, fragen nach, tasten uns mit Interpretationen heran - leider daneben!

Wenn häufig Missverständnisse dieser Art auftreten, prägen sich negative Kommunikationserfahrungen aus. Selbstvertrauen und Zuversicht des Kindes erhalten einen Dämpfer, ebenso die Lust auf weiteres Experimentieren mit der Lautsprache. Man kann von erschwerten Startbedingungen für Fortschritte beim Sprechenlernen ausgehen.


Etta Wilken, Professorin an der Uni Hannover, die sich mit der Sprachförderung behinderter Kinder beschäftigt, hat mit finanzieller Unterstützung der Aktion Mensch und der Bundesvereinigung Lebenshilfe hat das umgesetzt, was sich vielerorts eher unsystematisch bereits bewährt hat: eine Sammlung von lautsprachbegleitenden Gebärden auf fast 100 Karten
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Gebärdenunterstütze Kommunikation (GuK) stellt eine wichtige ergänzende Hilfe für die Sprachförderung dar, gerade auch für die jüngeren Kinder mit geistiger Behinderung, die ein erheblich besseres Sprachverständnis haben, als ihr Sprechvermögen es vermuten lässt.
Oft wurde angenommen, dass durch Gebärden die lautsprachliche Entwicklung beeinträchtigt werden könnte. Doch das Gegenteil ist der Fall!. Gebärden erleichtern sowohl das Verstehen von Wörtern als auch das Erlernen lautsprachlicher Äußerungen. Beobachtungen von kleinen Kindern mit Down-Syndrom zeigen, dass sie sich nach einer mehr oder weniger langen Phase vorwiegend gebärdensprachlicher Verständigung (1 - 3 Jahre) zunehmend lautsprachlich äußern und dann das Benutzen von Gebärden einfach weglassen.
Auch für ältere Kinder, deren Sprechvermögen nicht ihrem Mitteilungsbedürfnis entspricht, sind nichtsprachliche Kommunikationshilfen anzubieten. Das gilt gleichfalls für Menschen, die schwer zu verstehen sind. Häufig werden sonst aufgrund der schlechten Aussprache das tatsächliche Sprachverständnis falsch bewertet und die kognitiven Fähigkeiten insgesamt unterschätzt.
(Quelle: Lebenshilfezeitung 3/2000, Wilfried Wagner-Stolp)

Gebärden-unterstützte-Kommunikation = GuK ist eine neue Methode, die es Ihrem Kind einfach macht, über Gebärden zum gesprochenen Wort zu kommen.

GuK ist entwickelt für Kinder, die nicht oder noch nicht sprechen, um ihnen durch den begleitenden Einsatz von Gebärden die Verständigung zu erleichtern. Das Sprechen wird also nicht ersetzt, sondern nur mit Gebärden unterstützt.

Auch werden nicht alle Wörter gebärdet sondern nur solche, die für das Verstehen der Mitteilung von Bedeutung sind. Da es leichter ist zu gebärden als zu sprechen, helfen die Gebärden den Kindern, sich früher verständlich mitzuteilen.

Weil GuK das Verstehen und das Verständigen unterstützt, wird das Sprechen lernen gefördert und der Spracherwerb begünstigt. Besonders in der Frühförderung von Kindern mit spezifischen Problemen beim Spracherwerb und beim Sprechen ist GuK deshalb eine wichtige ergänzende Hilfe.

GuK ist auch geeignet für nicht behinderte Kinder. Viele Gebärden lassen sich problemlos z.B. im Kindergarten in übliche Sind-und Sprechspiele integrieren und alle Kinder können dabei spielerisch lernen, wie man "mit den Händen spricht". Dadurch können die Verständigungsmöglichkeiten für das behinderte Kind erweitert und seine Integration unterstützt werden.

Mit den Gebärdenkarten können Eltern oder andere Bezugspersonen des Kindes die individuell benötigten Gebärden lernen. Wenn das Kind eine gewisse Anzahl von Bildern mit Gebärden benennen kann, ist es möglich, die Wortkarten einzuführen. Mit den Bild- und Wortkarten können verschiedene Zuordnungsspiele durchgeführt werden. Die Wortkarten haben beim GuK System jedoch nachrangige Bedeutung, bieten aber eine mögliche Ergänzung für die sprachliche Förderung.

Die Bilder sind leider nur schwarz/weiß - zum Arbeiten sind die etwa Postkarten (DIN A 6) große Karten in Farb, abgerundete Ecken, eine beidseitige, matte Lamitinierung macht sie unempfindlich. Ein ausführliches Anleitungsheft für den Umgang mit dem Lernmaterial liegt den Karten bei.

Das GuK Arbeitsmaterial besteht also aus drei verschiedenen Typen von Karten: Gebärden-, Bild- und Wortkarten, insgesamt 300 Stück. Damit werden 100 Gebärden zu wichtigen ersten Grundbegriffen für kleine Kinder vermittelt.

Die GuK-Methode für Kinder mit spezifischen Problemen beim Spracherwerb wurde entwickelt von Prof. Etta Wilken vom Institut für Sonderpädagogik der Universität Hannover. Etta Wilken greift dabei auf eine jahrzehntelange Erfahrung bei der Arbeit mit Kindern mit Behinderungen zurück. Die Karten sind seit Mitte November 2000 im Handel erhältlich. Der Preis liegt bei 43 €.

nähere Informationen und Bestellungen, Preisliste etc. bitte direkt bei:

Deutsches Down-Syndrom InfoCenter,
Hamerhöhe 3
D-91207 Lauf a.d. Pegnitz
Tel. 097123/98 21 21
Fax: 09123/98 21 22

E-mail: DS.Infocenter@t-online.de
www.ds-infocenter.de

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