Erste Hilfe

 Wie erkenne ich eine epileptischen Anfall?
Für einen Laien lässt sich in der Regel nur ein "großer Anfall" (ein Grand-mal Anfall) erkennen:
Der Betroffene verliert plötzlich das Bewusstsein, gleichzeitig tritt gelegentlich ein plötzliches Aufschreien (Initialschrei) auf. Er stürzt zu Boden, verspannt sich und zuckt dann mit Armen und Beinen, gelegentlich wird er im Gesicht bläulich.

So bedrohlich ein Krampfanfall für den Laien auch aussehen mag, er ist für den Betroffenen in der Regel nicht gefährlich oder lebensbedrohlich. Dauert er aber länger als 10 Minuten oder folgen mehrere Anfälle dicht aufeinander, so muss unbedingt ein Arzt hinzugezogen!! oder eine Einweisung des Betroffenen in ein Krankenhaus veranlasst werden.

10 Punkt sollten beachtet werden:
 

  1. Ruhig bleiben und den Betroffenen nicht allein lassen!
  2. Den Krampfenden aus einem möglichen Gefahrenbereich herausbringen! (aus dem Wasser, von der Straße, usw..)
  3. Seinen Kopf schützen (z.B. einen Pulli unterschieben..)und die Atemwege freihalten!
  4. Die Gliedmaßen nicht festhalten - aber vor Verletzungen schützen (Gegenstände um ihn herum entfernen)!oder ihn von den Gegenständen wegziehen.
  5. Keine Gegenstände zwischen die Zähne klemmen! Bei weichen Gegenständen besteht Erstickungsgefahr und bei harten Verletzungsgefahr!
  6. Den Anfallablauf so genau wie möglich beobachten. Wichtig: Lokaler Anfallsbeginn? - Seitenbevorzugung oder -wechsel? - Wie viele  Minuten dauerte der Anfall?
  7. Bei Fortdauer des Krampfes über 10 Minuten hinaus, einen Arzt benachrichtigen! Ist der Betroffene ansprechbar, dann natürlich ihn erst fragen damit es ihm nicht unangenehm ist - er kann seine Situation am Besten einschätzen!
  8. So bald wie möglich den Betroffenen in eine stabile Seitenlage bringen.
  9. Nach Ende des Krampfes den Betroffenen ausruhen lassen!
  10. Bei ihm bleiben bis er wieder bei vollem Bewusstsein ist! Ganz ruhig mit ihm reden, nach dem Wochentag oder so fragen, so erkennt man am Besten die Bewußtseinslage.

 Eine andere Anfallsform sind die "kleinen" Anfälle (petit-mal), sie sind wesentlich weniger auffällig, so dass selbst der direkt Umstehende nicht unbedingt erkennen kann, dass der Betroffene gerade einen epileptischen Anfall hat.
Der Betroffene kann im Anfall bei Bewusstsein sein. Dabei kann alles in Erscheinung treten, was das Gehirn als Funktion ausführen kann:
Zuckungen von einzelnen Muskeln sind möglich, Lidzuckungen, verziehen des Gesichtes (Grimassen schneiden) oder einfach nur Schmatzbewegungen des Mundes, oder plötzliches zielloses herumlaufen,
sinnlose aus dem Zusammenhang herausgerissene Bewegungen, oder unverständliches Reden, etc.
Sehr häufig wirken solche Betroffenen auf ihre Umgebung fremdartig "wie betrunken". Nur viel zu selten zieht man einen epileptischen Anfall in Betracht.
Hier ist der Ersthelfer lediglich gefordert, den Betroffenen zu schützen!
Die Gefahr für den Betroffenen besteht in seinen unkontrollierten Handlungen selbst - er kann in diesem Zustand der "Umdämmerung" auf die Straße laufen, ohne auf den Verkehr zu achten, von einer Mauer fallen oder aus dem Fenster steigen (auch wenn dies im 18. Stock liegt)
 

Wie schütze ich einen Menschen in einem epileptischen Anfall?
Bei einem großen Anfall geht es vor allem darum, Verletzungen durch das heftige Schlagen zu verhindern, d.h. scharfkantige Gegenstände entfernen, Brille abnehmen, Zigarette aus der Hand nehmen. Den Betroffenen aus dem Wasser ziehen!
Wenn möglich etwas unter den Kopf legen (es kann eine Tasche sein, eine Jacke,..),damit dieser nicht auf den Boden schlägt.
 Dabei reicht oft die eigene Hand vollkommen aus. Mehr ist nicht zu tun!
Das Gleiche gilt generell für alle anderen Anfallsformen, auch wenn dabei die Verletzungsgefahr geringer ist, solange der Betroffene nicht hinstürzt.

Wie schütze ich einen Menschen nach einem epileptischen Anfall?
Dies ist meist der Zeitpunkt, zu dem der professionelle Ersthelfer eintrifft.
Zunächst sollte man feststellen, ob der Betroffene sich verletzt hat, der Kopf ist abzutasten, die Arme und Beine auf Schürfwunden zu  untersuchen (evt. ist eine Tetanusimpfung als Folge notwendig). Dabei sollte man beruhigend mit dem Betroffenen reden. Wichtig ist sich über die Bewusstseinslage des Betroffenen klar zu werden: kennt er seinen Namen, das Datum, den Ort.... Ist dies der Fall, so kann man davon ausgehen, dass er wieder selbstverantwortlich handeln kann. Wenn nicht, so muss man bei ihm bleiben, um Gefährdungen abzuwenden - den Betroffenen nicht festhalten, nur einfach in "Griffweite" da sein!
(Quelle: Epilepsie-Aspekte 4, Deutsche Epilepsievereinigung e.V.)

Egal um welche Form eines Anfalls es sich handelt, muss jedoch daraufhin gewiesen werden, dass die größte Gefahrenquelle im Bereich des Wassers liegt. Die meisten Unfälle mit schwerem Ausgang finden in Zusammenhang mit einem Krampfanfall im Wasser statt - egal ob Badewanne oder Schwimmbad, bitte lassen sie ihr Kind nicht unbeaufsichtigt! Schon ein sogenanntes "Sitzbad" kann zur tödlichen Falle werden, wenn ihr Kind einen Anfall erleidet und keine Kontrolle mehr über seinen Körper hat. Natürliche Gewässer (Meer, Badeseen) stellen durch die Strömmung eine erhöhte Gefahrenquelle dar und sollten gemieden werden.

 

Die Johanniter-Unfall-Hilfe bietet interessierten Gruppen ebenfalls Kurse zu
diesem Thema an. Für nähere Auskunft und Terminabsprachen bitte direkt Kontakt
zur Johanniter-Unfall-Hilfe aufnehmen. siehe auch: www.juh.de/bayern/schweinfurt


zu Epilepsie
 
 

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